
Die Galerie Jean Désert wurde im Mai 1922 eröffnet. Eine Einladungskarte kündigte die in der Rue de Faubourg Saint Honoré Nr. 215, stattfindende Werkstatteröffnung an, bei der es Lackparavents, Möbel, Wandbehänge, Lampen, Sofas, Spiegel und Teppiche zu besichtigen gab, und offerierte die Gestaltung und Einrichtung von Wohnungen. "Ein Besuch bei Jean Désert", versprach sie, "ist ein Abenteuer, eine Begegnung mit dem Nie-Gesehenen und Nie-Gehörten." Es folgte ein Zitat aus der New York Times: "Eileen Grays Entwürfe gehorchten weder den Regeln, die von allen Künstlern der klassischen Epochen aufgestellt wurden, noch versuchen sie, durch die Vereinnahmung von primitiver Kunst sensationell zu erscheinen." Für ihre neueröffnete Galerie entwarf Gray eine einfache, aber um so eindrucksvollere Fassade. Unterhalb des barocken Mauerwerks auf Höhe des ersten Stocks unereilte sie die Fläche in einfach Rechtecke, in die die Fenster und Türen mit ihren schwarzweiß lackierten Lackpaneelen, die die strenge Geometrie der Fassade betonten, miteinbezogen wurden.
Die Galerie erfreute sich höchstens eines Achtungserfolgs. Die raffinierten, zeitaufwendigen und entsprechend kostspieligen Lackmöbel ließen sich selten verkaufen, obwohl unter Grays Kunden auch einige Prominenz vertreten war. Erhalten gebliebenen Unterlagen bestätigen Käufe von Pierre Meyer, der auch ein Kunde von Pierre Legrain war, der Comtesse de Béhague, des Barons de Gunzburg, der Gräfin von Oxford, des Vicomte de Noailles, der sich einen Toilettentisch zulegte, Mme Tachards, Mme Elsa Schiaperellis, die eine Kommode, einen Sessel, einen Spiegelrahmen und einen schwarzen Teppich orderte, sowie von Damia, Grays Vertrauter. Die Produktion und der Verkauf von abstakten, modernistischen Wandbehängen und Teppichen erwies sich als einträglicher. Während die Möbel und die Lackarbeiten in den Ateliers der Rue Guénégaud Nr. 11, unweit von Grays Wohnung, und auch in der Wohnung selbst hergestellt wurden, hatte sie für die Teppichproduktion eine Werkstatt in der Rue Visconti eingerichtet, die sie um 1920 für diesen Zweck erworben hatte. Gray mangelte es nicht an Ideen für Teppichentwürfe, die dann unter der Leitung vom Evelyn Wyld gewoben wurden.
Grays Teppichentwürfe waren höchst individuelle, abstrakte künstlerische Versuche, subtile Spiele mit Linien und Flächen, die die zwar vielfältigen Einflüsse unterwerfen, jedoch nicht klassifizierbar sind. Es gibt Formen, die an die Motive primitiver Kunst anklingen, sich überlagernde Rechtecke, offensichtlich dem Kubismus entlehnt, und eine flache, geometrische, für die holländische De-Stijl-Gruppe typische Linienführung. Die Namen ihrer Teppiche spielen entweder auf mythologische Themen an, wie "Héliogabale", "Ulysse", "Penelope", oder sie sind nach bestimmten Orten benannt, wie "Roquebrune", "Castellar und "St. Tropez", wo sich ihre Häuser befanden. Manchmal mussten auch Gefühle oder Sportarten herhalten: "Fidéle" und "Tennis". Einer zumindest - der Teppich "Wendingen" - erinnert an die holländische Zeitschrift, die ihrem Werk eine Sondernummer gewidmet hatte.
Im Jahre 1927 trennte sich Evelyn Wyld von Gray, um mit der Amerikanerin Eyre de Lanux zusammenzuarbeiten. Sie behielt die Werkstatt in der Rue Visconti und fertigte ihre eigenen Entwürfe an. Gray brachte die Hälfte der Webstühle in das Kellergeschoss der Galerie Jean Désert und setzte dort die Produktion von Teppichen fort. Jean Désert war Grays Versuch, ihre frühe Leidenschaft für das Geheimnis und die künstlerischen Möglichkeiten der Lackmöbel und des luxuriösen Dekors, den sie verlangten, geschäftlich zu nutzen. Erhalten gebliebenen Inventarlisten lassen erahnen, welche Eindrücke ein Besuch in der Galerie Jean Désert vermittelte. Aufgeführt sind viele exotisch gestaltete Liegen, wie z. B. das "Lit bateau", zahlreiche Sofas, die zweifellos sehr üppig gepolstert waren, vergleichbar mit dem in ihrer eigenen Wohnung, und Überwürfe aus Tierfellen. Die Liste erwähnt Zebra- und Leopardenfelle, aber auch Felle von Ziegen und Schafen. Die Wirkung beruhte auf dem subtilen Kontrast zwischen den haptischen, sinnlich gestalteten Oberflächen und der strengen Linienführung sowie dem sparsamen Dekor.
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IRLAND - PARIS
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