
Eileen Grays "Transat"-Stuhl ist eine schlanke Konstruktion aus geraden, meist vertikal und horizontal angeordneten, rechteckigen Holzteilen, durch Metallstäbe und -gelemke miteinander verbunden, mit verstellbarer, gepolsterter Kopfstütze und entsprechend pepolstertem Sitz, der wie bei einem Liegestuhl in einem Rahmen hängt; die elegante Kurve, die er beschreibt, kontrastiert mit der strengen Geometrie des gestells. Er heißt "Transat", da er - ein witziges stilistisches Zitat - offensichtlich auf jene ursprüngliche für die Decks der Ozeandampfer entworfenen Liegestühle anspielt.
Er wird durch zehn Schrauben mit gewölbten Köpfen zusammengehalten und läßt sich mühelos auseinandernehmen, ein ingeniöser Vorläufer der in den sechziger Jahren so beliebten "zerlegbaren" Möbel aus verschiedenen Bauelementen.
Von dem "Transat"-Stuhl gibt es mehrere Versionen; sie reichen von einfachen, funktionalen Holzgestellen und Stoffbezügen bis zu spiegelglatten Lackrahmen und Lederpolstern. Der "Transat" konnte sich wie ein Chamäleon seiner Umgebung anpassen, schlicht und zweckmäßig oder auch raffiniert und exklusiv sein. Der Stuhl markiert einen wichtigen Punkt in Grays Karriere; er vereinigt in sich verschiedenen widersprüchlich erscheinende Ansätze, von Grays anfänglicher Vorliebe für kostbare Materialien bis zu ihrem späteren nüchternen Funktionalismus.
Die Karriere Eileen Grays, einer ruhigen, aber um so entschlosseneren Einzelgängerin, die Cliquen, Schulen und Trends mied, aber genau registrierte, was um sie herum vorging, spiegelte trotz allem die Ästhetik, die Debatten und Widersprüchlichkeiten des Designs in der ersten Dekade des 20. Jahrhunderts wider. Gray begann als Lackkünstlerin und entwarf Möbelstücke und Einrichtungsgegenstände für eine kleine, notwendigerweise reiche Klientel. Sie entwickelte sich von der Designerin zur Architektin. Gebaut hat sie jedoch nur wenig; im Grunde war sie selbst ihre beste Kundin. Ihre von eigensinniger Individualität geprägte Hinterlassenschaft an Einrichtungsgegenständen und Bauten ist zwar nicht groß, lässt jedoch bei der Erkundung und Entwicklung von neuen Formen und Ideen ein Kunstverständnis und eine Sensibilität erkennen, die nicht nur dem Geist, sonder auch der Technologie ihrer Zeit entsprachen.
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