
Auch nach der Fertigstellung von "E-1027" und der Schließung von Jean Désert setzte Gray ihre Experimente mit modernistischer Architektur und Inneneinrichtung fort, obwohl sie nie wieder eine so gute Gelegenheit haben sollte, ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen wie bei dem Hausbau in Roquebrune. Zwischen 1930 und 1931 entwarf und möblierte sie für Badovici ein kleines Atelier in der Rue Chateaubriand. Sie verwandte ihren ganzen Scharfsinn darauf, auf kleinstem Raum ein bequemes, stilvolles und funktionales Zuhause zu schaffen. Vorgesehen waren ein Gitterparavent aus weißlackierten Feinblech, vielseitig verwendbare Stahlrohrmöbel, eine Liege, die sich in ein Bett umwandeln ließ, ein ausschwenkbarer Betttisch, ein Schrank aus Aluminium mit Kork, der dem für "E-1027" konzipierten sehr ähnlich sah und ein "Transat"-Stuhl. Spiegelflächen an Einbauten und Schränken erzeugte die Illusion von Tiefe, während der wohlüberlegte Gebrauch von Stoffen und Pelzen zu starke Effekte milderte.
Zwischen 1932 und 1934 bot ihr ein zweites, kleineres Haus, das sie für ihren eigenen Bedarf in Castellar bei Menton bauen wollte, Gelegenheit, ihre Experimente weiterzuführen. Dieses Haus, das auf schwierigem, felsigen Terrain errichtet werden musste, wies große Ähnlichkeit mit "E-1027" auf: dieselbe klare Linienführung, flache, vorgezogene Dächer, einfache Stützpfeiler und Stahlrohrgeländer, Terrassen und Pfade, lange, mit Jalousien versehene Fenster und große Panoramafenster. Zur Inneneinrichtung gehörten die schon bekannten Einbaumöbel - ein Arbeitstisch, ein Beistelltisch, Schubladen, Beleuchtungskörper, Abstellraum und ein raffinierter, ausziehbarer Garderobenschrank aus Metall -, alles wichtige, zur Architektur des Hauses gehörende Details. Sogar der Raum unter einer Treppenstufe wurde als Schublade genutzt.
Das Haus wurde nach dem provenzalischen Sprichwort "Tempe a Pailla" (mit Zeit und Stroh reifen die Feigen) genannt. Auf Grays künstlerische Laufbahn bezogen, konnte man in vielen ihren Möbelentwürfen die Früchte langjähriger Bemühungen sehen. "Tempe a Pailla" inspirierte verschiedene neue Entwürfe, die eine sehr sparsame Ästhetik verbindet. Der Entwurf ermöglichte es, sowohl Raum wie Material zu sparen, und drückt sich in einer bemerkenswerten Kompaktheit, Verwandlungsfähigkeit und Verstaubarkeit aus. Gray hasste jede Art von Zurschaustellung und Besitzstreben; viele der nach 1925 entstandenen Gegenstände erfüllen ihren Zweck, ohne groß aufzufallen. Ihr Charme ist diskret, nicht theatralisch, und es gelang ihr auch immer, den Eindruck von Leichtigkeit und Transparenz zu erwecken. Der offene "Block"-Wandschirm für Mme Mathieu Lévy war der erste von Erfolg gekrönte Versuch auf diesem Gebiet. Die logische Konsequenz war der hohe, schlanke, mit Aluminium eingefasste Wandschirm aus Zelluloid, den sie 1931 - also eine Dekade später - für sich anfertigen ließ. Nichts scheint die zurückhaltende Transparenz ihres Werks besser zu illustrieren als dieser Wandschirm, der so abstrakt ist, wie es ein Möbelstück zur sein kann. In "Tempe a Pailla" erfüllte sie ihr Soll an Entwürfen, die ihren minimalistischen Standpunkt perfekt zum Ausdruck brachten. Für Castellar entstand auch der "S"-Stuhl mit seinem durchhängenden Segeltuchbezug und dem perforierten Holzrahmen, der sich auf die Hälfte seiner Größe zusammenfalten und bequem verstauen ließ. Sie entwarf eine kompakte, doppelseitige Kommode mit jeweils drei schwenkbaren Schubladen - ein unauffälliger Kubus, der alle Funktionen eines Schranks erfüllte. Er stand höchstwahrscheinlich Modell für den "Boby" - ein Künstlerkubus auf Laufrollen mit seinen drehbaren Schubladen, den der italienische Designer Joe Colombo 1970 entworfen hatte. Eine andere überzeugende Idee war ein Tisch mit einer rechteckigen Holzplatte auf einem perforierten Metallrahmen, die durch einen simplen Handgriff auf die Höhe eines Kaffeetischs gebracht werden konnte.
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EINLEITUNG
IRLAND - PARIS
KÜNSTLERKARRIERE
JACQUES DOUCET
LACKKUNST
MADAME LÉVY
JEAN DÉSERT
SCHLAFZ.-BOUDOIR
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